Wozu brauchen wir Weltschmerz? Der Sinn, traurig zu sein über unsere Welt

Melancholie setzt Energie frei, Veränderung zu bewegen.
Wenn wir Weltschmerz empfinden, sehen wir keinen Sinn mehr in der Welt.

Weltschmerz hat einen Sinn, obwohl wir in dieser Traurigkeit erstmal keinen Sinn erkennen. Häufig rührt ein Gefühl der Sinnlosigkeit dazu, dass wir Weltschmerz empfinden. Wozu dieser Gefühlszustand, der uns runterzieht? Er kann tatsächlich etwas Gutes bewegen…

Im Duden ist Weltschmerz wie folgt beschrieben:

Weltschmerz: Die seelische Grundstimmung prägender Schmerz, Traurigkeit, leiden an der Welt und ihrer Unzulänglichkeit im Hinblick auf eigene Wünsche, Erwartungen.

Von dem Nomen Weltschmerz existiert sogar ein Adjektiv. Das heißt „weltschmerzlich“. Wer sich ab und zu weltschmerzlich findet, sollte nun weiterlesen und die wahre Größe dieses Gefühls erkennen.

Weltschmerz als Folge unerfüllter Wünsche? Nö!

Der Duden sieht den Weltschmerz recht eindimensional. „Die seelische Grundstimmung prägender Schmerz, Traurigkeit,“ – ja! Weltschmerz ist wie anzunehmen tatsächlich ein Schmerz, der weniger körperlich, sondern in erster Linie seelisch wahrgenommen wird. Nicht kognitiv und nicht körperlich. Wobei sicherlich intensiver Weltschmerz sich auch auf den Körper und Geist auswirkt: Wir haben Bauchschmerzen, uns ist schlecht, oder wir fühlen uns antriebslos und bleiben lieber daheim. Außerdem können wir vielleicht kaum an etwas anderes denken als an das, was den Schmerz hervorruft.

Wir „leiden an der Welt“. Aber auch an „ihrer Unzulänglichkeit im Hinblick auf unsere eigenen Wünsche und Erwartungen“. Die Welt kann von uns gehegte Wünsche oder Erwartungen nicht erfüllen. Zum Beispiel: Frieden.

Weltschmerz ist, wenn unser Bild von der Welt zerstört wird

Weltschmerz ist weniger ein Schmerz, den man empfindet, weil man den Traumjob nicht bekommen hat oder eine schlechte Note bekommen hat. Mit Weltschmerz reagieren wir auf eine Enttäuschung, die in unserer Umwelt stattfindet. Zum Beispiel, wenn eine Beziehung zerbricht, an die wir fest geglaubt haben. Das kann Weltschmerz hervorrufen. Oder wenn man Gewalt sieht, in den Medien oder im Hier und Jetzt, und den Sinn dessen nicht greifen kann. Weltschmerz geht einer Enttäuschung vorweg. Wir haben ein Bild von der Welt, das nicht erfüllt wird, sondern sogar zerstört wird.

Wir fühlen uns in der Welt nicht mehr Zuhause

Weltschmerz hat vielmehr etwas mit fehlender Sicherheit und Geborgenheit in der Welt zu tun, und Ereignissen, die uns widerfahren, die wir nicht begreifen können. Die nicht ins eigene Weltbild passen, die Zeit und Kraft brauchen, um von Seele, Geist und Körper verarbeitet zu werden. Weltschmerz hat ein Kind, das von der Mutter getrennt wird – und sei es nur, dass das Kind zur Tagesmutter gebracht wird, und nicht versteht, warum die Mutter nicht mehr da ist.

Weltschmerz erzeugt der G20 Gipfel in Hamburg, wo Steine fliegen, Autos brennen und Menschen verletzt werden – und das direkt vor der Haustür hunderttausender Menschen. Gleichzeitig wird die Sinnhaftigkeit des Gipfels angezweifelt. „Das bringt doch eh nichts.“ Es fehlt jeglicher Sinn. Mit Logik kommen wir hier nicht weiter.

Ein Ereignis verletzt uns, gleichzeitig erkennen wir nicht den Sinn darin und können die Erfahrung deshalb nicht in unserem System verarbeiten. Das ist Weltschmerz.

Nutze deinen Schmerz als Antrieb für Veränderung!

So sehr Weltschmerz weh tut, liegt darin auch die Keimzelle von Veränderung. Aus dem Weltschmerz heraus erkennen wir, was für uns keinen Sinn, sondern nur Schmerz bringt. Im besten Fall tanken wir Kraft, etwas zu verändern. Beispiel G20-Gipfel in Hamburg: Eine kleine Gruppe Hamburger um Rebecca Lunderup entscheidet sich noch am Abend des Freitags, an dem die schlimmsten Ausschreitungen stattfinden, dass die Stadt am Sonntag wieder aufgeräumt wird. Sie erstellen die Facebook-Veranstaltung „Hamburg räumt auf“, und plötzlich gibt es tausende Zusagen, dass daraus eine nicht politische Bewegung wird – aus Liebe zur eigenen Stadt. Und das ist – unterstellen wir es hier einmal – aus Weltschmerz entstanden.

Weltschmerz ist ein Gefühlszustand, der zum Leben gehört. Er wird kommen und gehen. Er zeigt, dass etwas nicht in Ordnung ist mit der eigenen Wahrnehmung und dem, was die Welt uns zu sehen, zu hören und zu interpretieren bietet. Er weckt in uns die Bereitschaft, zu hinterfragen, was gerade passiert. Sogar eine Leidenschaft dafür kann entfacht werden, etwas gegen das Ereignis oder den Zustand zu unternehmen, der so einen intensiven Schmerz erzeugt. Große negative Gefühle fordern große positive Gefühle. Wer traurig darüber ist, dass Menschen Hunger leiden, kann Geld spenden oder direkt vor Ort helfen. Wer traurig darüber ist, dass so viele Menschen sich trennen, kann dafür losgehen, dass mehr Menschen zueinander finden. Das erfüllt ungemein und macht glücklich.

Worüber bist du traurig, und was kannst du dagegen tun? Nutze die Energie, die frei wird!

Eine gewisse Prise Weltschmerz war auch dafür verantwortlich, dass diese Plattform und die große Vision dahinter entstanden ist. Wie werden wir? ist aus Weltschmerz heraus entstanden, dass es zu viele negative Entwicklungen in der Welt gibt, und viele Menschen anfangen, Angst vor der Zukunft zu haben.

Ich bin nicht ständig melancholisch, sondern im Gegenteil häufig voller Lebensfreude und Optimismus. Ich lebe im Hier und Jetzt und liebe mein Leben. Doch trotzdem ist da etwas, was mich antreibt… Gerade sind wir in einer Entwicklungs-Bewegung. Wir essen bewusst, wir arbeiten bewusst, wir leben bewusst. Doch auf dem Weg zu uns selbst sollten wir auch an die Zukunft denken und für sie aktiv werden. Mehr zu meiner Motivation findest du unter About.

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